NADINE GLAS
*1992 in Ebersberg, Bayern

2018
Studium bei Anton Henning an der Hochschule für bildende Künste Dresden, Arbeit als Tutorin

2015
Fachklasse von Peter Bömmels an der HfBK Dresden
Auszeichnung beim ADC Nachwuchs-Wettbewerb für die Arbeit APFEL ALT SHIT ESCAPE
Praktikum beim Dresdner Designbüro pingundpong*

2014

Grundstudium bei Prof. B. Wille und Prof. R. Klümpen an der HfBK Dresden
Abschluss als staatlich geprüfte Kommunikationsdesignerin an der Designschule München

 

Ausstellungen (Auswahl)

2018
NOT SO FAR || Thonetlaan 169 | Antwerpen
2,5 Stundenausstellung || Japanisches Palais | Dresden

2017
Lady Hubsi und ihre Mannschaft || Goldenen Pforte | Dresden

2013
Kellerkinder Kollektiv || Baldestraße | München

WERK & TEXT

„Nadine Glas“ von Mirjam Glas

NADINE GLAS

In der Anfangsphase ihrer künstlerischen Arbeit – hauptsächlich inspiriert durch die Pop-Art des vergangenen Jahrhunderts – machte es sich Nadine Glas zur Aufgabe, skurrile Gegenstände zu sammeln und sie in eigenen Installationen neu zu arrangieren. So zeigte sie 2016 in einem Miniaturmuseum verschiedene gefundene, wie selbst gebaute und veränderte Produkte, die in abgewandelter Form als Kunstobjekte inszeniert wurden. 2017 wurden in der Ausstellung «Lady Hubsi und ihre Mannschaft» achtundzwanzig Objekte unterschiedlicher Herkunft und Beschaffenheit auf weißen Holzsockeln sortiert und an die Wand montiert: Eine Lisa-Simpson Figur über dem knallgelben Schriftzug WOW zwischen einem aus Müll gebastelten, silbernen Roboter und einem leuchtend rot bemalten Plastikgehirn standen als trashige Relikte unserer Popkultur für die Belanglosigkeit und Kommerzialität des Materialismus.
Das Sammeln und Neu-Anordnen von Dingen war und ist seit jeher Bestandteil von Nadines Glas‘ künstlerischem Interesse, was sich auch in den neueren Arbeiten erkennen lässt. Waren es in ihrer Kindheit Steine oder Blätter, die und deren Geschichten sie sorgfältig bewahrte, so reduziert sie ihre Sammelleidenschaft heute auf die abstrakte Basis der Dinge: Farben und Formen. Aus ihrer immer währenden Arbeitspraxis, die sie selbst als Formsuche betitelt, gehen Symbole hervor, die in ihren Skizzen in unterschiedlichen Beziehungen zueinander immer wieder auftauchen.
Betrachtet man Nadine Glas‘ neusten Arbeiten, die großteils Mischformen zwischen Zeichnung und Malerei darstellen, so findet man die elementarsten Formen wie Kreise, Pfeile und Kreuze neben krakeligen Linien und poppig bunten Farbflächen, deren Erscheinung im ersten Moment eher Verwirrung verursachen dürfte.
Nimmt man sich aber etwas Zeit und lässt sich auf die farbenfrohen Kreationen ein, so erkennt man, was dahinter steckt: Mit jeder dieser kleinen Grafiken und im Zusammenspiel mit den sensiblen Titeln der Arbeiten erzählt die Künstlerin eine ganz eigene und persönliche Geschichte; so können Punkte Personen darstellen, Pfeile deren Beziehungen zueinander veranschaulichen, oder Kreuze Unsicherheiten und Hindernisse aufzeigen. Das Skizzenbuch fungiert somit als Tagebuch, in welchem eine Poesie der Bilder entsteht. Gemalte Gedichte halten Ereignisse aus dem Leben fest, in einer Art Ikonographie der Pop-Symbole werden Codes zu Geschichten. Dabei ist es nicht das Anliegen, der Betrachter*in eine bestimmte Erzählung aufzudrängen, sondern diese vielmehr zum eigenständigen Herauslesen einer persönlichen Geschichte zu inspirieren.
Den sicheren Rahmen ihres Skizzenbuches, der ihr Halt gibt und als Zufluchtsort dient, ist Nadine Glas gerade dabei, zu sprengen. In den aktuellsten Arbeiten versucht sie, Dargestelltes auf Großformate zu übertragen und dadurch neue und komplexere Handlungen zu erzählen. Den spielerischen Umgang von Kreide, Öl, Gouache und Buntstift auf Papier behält sie jedoch vorerst bei.
Sammelsurien bilden das Fundament ihres Schaffens. Um die wirren Gedanken zu sortieren, die in schlaflosen Nächten das Gehirn beinahe zum Explodieren bringen, greift sie zum Pinsel. Dies zeigt sich auch in ihren narrativen Landschaftsdarstellungen, in welchen häufig Naturphänomene, insbesondere Gewitterszenerien dargestellt werden, die ergreifend und bedrohlich wirken.
Nadine Glas nutzt als versierte Kommunikationsdesignerin die Möglichkeit, sich während ihres Kunststudiums auf diversen Formaten und Medien immer wieder neu auszuprobieren, um dadurch nicht nur immer mehr über das künstlerische Handwerk, sondern auch über sich selbst zu lernen.

von Mirjam Glas – Kunsthistorikerin, Dresden

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