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KÄTHE SARAH ELTER
* 1991 in Mühlacker

2013
Fachklasse von Prof. Peter Bömmels an der HfBK Dresden

2011
Studium der Bildenden Künste an der HfbK Dresden

 

Ausstellungen (Auswahl)

2019
Mein Sehen bleibt physisch folgenlos || ALTANA Galerie | Dresden

2018
Kunst im Schaufenster || Altonale Festival | Hamburg

2017
gehäuse1 || Veränderbar | Dresden

2015
Wolkentage || Dresden

2014
Im Bilde || Bayer Kulturzentrum| Leverkusen

KÄTHE SARAH ELTER II

In unserer täglichen Kommunikation nutzen wir sie unablässig, sie sind Teil unserer Persönlichkeit und haben hohen Wiedererkennungswert, jeder Mensch nutzt sie auf ganz eigene Art und Weise. – Gesten, Mimik, Wortwahl. Teils unbewusst, teils berechnend setzen wir diese kleinen Bausteine der Kommunikation ein, lassen sie für uns arbeiten oder versuchen verzweifelt, sie zu unterdrücken. Im freien und ungezwungenen Gespräch fangen unsere Hände an Bilder in die Luft zu malen, unsere Augen weiten sich vor Aufregung, unsere Lippen formen lang bekannte und altbewährte Worte. Das macht und als Menschen aus, zeigt unsere Persönlichkeit, lässt Rückschlüsse auf unser Wesen zu. Sich dagegen zu wehren oder gar zu versuchen, die lang eingeübten Bewegungen zu unterdrücken oder die Wortwahl einzuschränken, ist meist aussichtslos. Wir sind Gefangene unserer Angewohnheiten.

Es sind vor allem die Gesten, die in der Lateinamerika-Serie von Käthe Sarah Elter in den Vordergrund rücken. Ein Gedicht von Giaconda Belli, einer revolutionären nicaraguanischen Schriftstellerin, gab den Anstoß für ihre Arbeiten. Im Rahmen des Aufstiegs der Sandinisten unter Daniel Ortega, dessen Regierung auf einen Bürgerkrieg im Land folgte, wurden auch die Frauenrechte im streng katholischen Land gestärkt. Die revolutionären und teils erotischen Gedichte Bellis feierten weitläufige Erfolge und wurden weltweit verkauft. Sie stellte sich als starke Frau an die Spitze einer Bewegung und gab ihr eine Stimme.

In dem Gedicht „Wenigstens Blumen, wenigstens Lieder“ formuliert Belli den Wunsch und die Sehnsucht nach Freiheit. Ein Wunsch, der das Streben nach körperlicher Freiheit übertrifft und geistige Freiheit verspricht: das Losmachen von vorgefertigten Handlungsmustern, von den immer gleichen Gesten und unbedeutenden Aussprüchen.

Von uns bleibt mehr
Als Worte und Gesten:
Der glühende Wunsch nach Freiheit,
ansteckende Sucht.

Al menos flores, al menos cantos…

Quedará de nosotros
algo más que el gesto o la palabra:
Este deseo candente de libertad,
esta intoxicación,
se contagia.

Elter verarbeitet ihre Assoziationen zum Gedicht intuitiv in Tuschezeichnungen. Zarte Gesichter, feingliedrige Hände und ausdrucksstarke Gesten bestimmen ihre Figuren und zeigen ihr Leiden am Althergebrachten. Ein Sehnen nach Ungebundenheit wird in den melancholischen Blicken deutlich. Die gesenkten Köpfe und stark betonten, niedergeschlagenen Augen verraten den Konflikt im Inneren. Sie sind ganz bei sich, vertieft in ihre eigenen Gedanken, in ihre Wünsche und Hoffnungen, in denen sie zu schwimmen scheinen. Die Freiheit, die ihre Figuren suchen, sieht immer anders aus. So sind auch die dargestellten Gesten jedes Mal ein wenig verschieden. Die Finger mal mehr, mal weniger gespannt, gestreckt, zueinander gestellt oder gebeugt, drücken sie den persönlichen Kampf der Gedanken aus. Von den meisten Händen sieht der Betrachter nur die Handrücken. Sie bilden eine Grenze und schaffen einen intimen Raum für die dargestellten Personen und halten den Betrachter auf Distanz. Ihre Suche nach dem Selbst gleicht einem transzendenten Moment. Jenseits der sinnlich erfahrbaren Welt forschen die Dargestellten nach höheren Idealen – immer auf der Suche nach Freiheit?

Präsentiert werden die Arbeiten in intimer Atmosphäre. Wer Käthe Elters Werke betrachten möchte, wird zuerst mit dem zugrundeliegenden Gedicht in spanischer Originalsprache konfrontiert. Auf einem Banner ist das Gedicht zu lesen. Tritt man dahinter, findet man auch die feinen Zeichnungen. Die Beleuchtung wirft nunmehr die Schatten der Betrachter auf das Banner und lässt sie zum kurzzeitigen Teil des Kunstwerks werden. Sie selbst werden zu Symbolen der Vergänglichkeit.

von Nina Fischäss – Kunsthistorikerin , Dresden

KÄTHE SARAH ELTER

Es fließt und es wächst und es gedeiht und es blüht und es verwelkt und es verdorrt und es zerfällt.

Käthe Sarah Elters Werke sind geprägt vom stetigen Fluss, vom Wechselspiel von Leben und Tod, Auf und Ab, Geben und Nehmen, Wachstum und Zerfall.

Mal ganz klein, mal nur ein Umriss, eine Andeutung, dann wieder groß und bildfüllend, präsent finden wir gegenständliche Ausdeutungen der zufällig entstandenen Musterung ihrer Blätter. Ihre Werke entwachsen dem bloßen Zufall, der den Farbverlauf bestimmt. Aus reiner Abstraktion wird dann das Gegenständliche gefischt und für aller Augen sichtbar gemacht. 

Der Mensch entwächst dem Chaos, beherrscht und bevölkert es für einen Moment und geht dann wieder in ihm unter und verschwindet. So zumindest beschreibt es „Gezeiten“, ein Banner, das weit höher ist, als dass es ein normaler Raum es fassen könnte, ganz in Blautönen gehalten. Über die gesamte Länge des monumentalen Werkes tauchen immer wieder menschliche Figuren, Köpfe, Torsi, Arme, auf. Mal sorgfältig ausgearbeitet, mal nur schemenhaft und verschwommen angedeutet. Und auch hier entwächst der Mensch den zufälligen Strukturen des Farbverlaufs, erhebt sich daraus, tritt an manchen Stellen in klarer Form hervor, nur um dann wieder zu verblassen, zu zerfließen und sich wieder im fließenden Blau zu verlieren. 

Alles steht miteinander in Verbindung, alles ist im Fluss. Nichts stagniert, bleibt stehen, kann sich dem Lauf der Zeit entziehen. Käthe Elter zeigt uns den natürlichen Rhythmus allen Lebens. Die ewige Veränderung, das immerwährende Fortschreiten der Zeit, das Niemals-stehenbleiben, Dauernd-weiterlaufen, das uns alle gefangen hält und mitzieht und ein Leben lang begleitet.

von Nina Fischäss – Kunsthistorikerin , Dresden

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