Ein Kooperationsprojekt von Studierenden der TU Dresden und Studierenden der HfBK Dresden

Im Fokus der Kooperation steht eine Ausstellung, die die künstlerischen Positionen der Studierenden der Fachrichtung Bildende Kunst der HfBK Dresden sowie freischaffenden KünstlerInnen mit wissenschaftlichen Recherchen, textuellen Aufarbeitungen und organisatorischen Managementleistungen von Studierenden verschiedenster Fachrichtungen (u.a. Kunstgeschichte, Philosophie, Germanistik) der TU Dresden verbinden. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem studienbegleitenden Angebot Regionalwissenschaften Lateinamerika (ReLa) des Instituts für Romanistik an der TU Dresden.

Lateinamerika und Europa

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den gegenwärtig politischen und sozialen Verwerfungen, die unsere Gesellschaft erfährt. Er nimmt Bezug auf einen zunehmenden, diffusen Wunsch nach Diktat, einem starken charismatischen Führer, einer Sehnsucht nach Segregation und einer damit verbundenen Ausgrenzung von Minderheiten und deren Bedürfnissen, was zur Abkehr von gemeinsamen globalen Bewegungen und von der Zusammenarbeit an internationalen Verträgen auf der Grundlage freiheitlich demokratischer Werte führt. All das stellt unsere Gesellschaft die Gewissensfrage und die Demokratie an sich auf die Probe.

Der Kontinent Lateinamerika nimmt von Beginn seiner kolonialen Entdeckungsgeschichte an Bezug auf europäische Grundwerten in der Tradition der christlichen Heilslehre, der mythischen Verortung bis hin zu den Idealen und Bekenntnissen der französischen Revolution zu nehmen, zeigt aber sofort auch deren Schattenseiten wie Verfolgung und Diskriminierung von ethnischen Gruppen oder die Ausbildung faschistischer Regime. Stets eine Art von Versuchsfeld für radikale Ideen und politische Bewegungen stellt sich dort immer wieder die Frage nach der Werteorientierung.

Extrem rechte, faschistische und radikale Bewegungen wie zum Beispiel die Regierung Perón in Argentinien, die Colonia Dignidad in Chile oder das Drogenkartell von Emilio Pablo Escobar in Kolumbien fanden genauso fruchtbaren Nährboden für ihre Ideologien, wie kommunistischen Bewegungen der kubanischen Revolution, Sendero Luminoso in Peru oder der Aufstieg von Hugo Chávez in Venezuela. Eine Aufarbeitung fataler, historischer Entwicklungen findet nur schleppend statt. Die sogenannte „Kluft“ zwischen Arm und Reich ist für viele nicht überwindbar und treibt Tausende in unwürdige Lebensverhältnisse oder Kriminalität, ob in Brasilien oder in El Salvador.

Was hat das mit uns zu tun?

Auch ein scheinbar breiter gesellschaftlicher Konsens, Frieden und Wohlstand, Rechtssicherheit und demokratische Zusammenarbeit auf höchster Ebene über die Dauer von mehr als 60 Jahren hinweg konnten nicht verhindern, dass nunmehr radikales Gedankengut und menschenverachtende Äußerung breite Zustimmung in Europa finden. Die Suche nach einem charismatischen Führer, das Verlangen nach Zensur, das Leugnen von Fakten und die zunehmende Akzeptanz von rassistischen, revisionistischen und menschenfeindlichen Äußerungen jeder Art lassen uns erschaudern und finden ihre Parallelen in Lateinamerika. Wir fühlen deutlich eine immer stärker werdende Front zwischen Arm und Reich, eine immer stärker werdende Radikalisierung politischer und sozialer Bewegungen und den Hang zum Fanatismus und Fatalismus. 

Was soll unsere Zusammenarbeit untersuchen?

Die oben genannten Parallelen zwischen den gesellschaftlichen Entwicklungen Lateinamerikas und Europas, im Speziellen der in unserem Land, sollen anhand von künstlerischen Positionen untersucht und in Kooperation erarbeitet werden.

Dabei wird auf unterschiedliche Weise zusammengearbeitet. Die KünstlerInnen stellen ihren Werkkörper für die Kurration einzelner Werkgruppen und Werke zur Verfügung. In Diskursen über die politische Lage, deren Ursachen und Hintergründe soll eine gemeinsame Reflexion angeregt werden, die einen künstlerischen Schaffensprozess zur Folge haben.

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