FELINA WIEßMANN
*1995 in Dortmund

2016
Fachklasse von Prof. Peter Bömmels an der HfBK Dresden

2015
Beginn des Studiums an der HfBK Dresden
Orientierungsklasse bei Prof. Robert Klümpen und Prof. Barbara Wille

 

Ausstellungen (Auswahl)

2019
Mein Sehen bleibt physisch folgenlos. Find 2k17 – LAM. || ALTANA Galerie | Dresden

2018
dududuSieSieSie || Galerie FLOX | Dresden

2016
Palais Sommer || Kulturfestival Dresden || Erhalt des zweiten Platzes des Canalettopreises

KUMPELS

In acht unterschiedlich großen Gemälden setzt sich Felina Wießmann mit der Thematik der Bergbauindustrie auseinander. Es sind Ausschnitte aus dem Leben und dem Arbeitsgebiet der Bergmänner in verschiedenen geographischen Räumen. Die Montanindustrie von Lateinamerika und Deutschland soll hier eine Gegenüberstellung erfahren. Konsequent widmet sich Wießmann in ihren einzelnen Werken entweder einem Personenkreis oder der durch den Bergbau bearbeiteten Landschaft. Eine Kombination beider Bildsujets ist hier ausgeschlossen und muss von dem Betrachter gedanklich selbst zusammengebracht werden.
 
Kumpels, wie die umgangssprachliche Berufsbezeichnung für Bergbauer im Ruhrgebiet lautet, werden inmitten einer langjährigen Tradition abgebildet. So zeigt zum Beispiel Umzug einen Bergmannschor in ihrer Ausgehuniform bei einem Aufmarsch. Voller Inbrunst präsentiert ein weiterer Bergarbeiter die Ausgehuniform -gleichnamiges Werk- mit den altherkömmlichen Bergmannszeichen Hammer und Schlägel auf der Kappe. Ausgehuniform gleicht einem alten Foto, welches durch verwaschene Farben und unscharfe Konturen eine langsam verblassende Erinnerung wiedergibt. 
Es sind die Nebenschauplätze die Felina Wießmann im deutschen Bergbau interessieren, abseits der extremen körperlichen Arbeit unter Tage. Es wird ein romantisches Bild kreiert, bei dem im Vordergrund Gemeinschaft, Kameradschaft und Zusammenhalt stehen. Diese Romantisierung wird auch in Pott widergespiegelt, eine stillgelegte Ruine einer ehemaligen Bergbaustätte, die langsam von der Natur überwuchert wird.
 
Einen Gegensatz dazu bilden die Werke Paradis und Grube. Auf ihnen wird der aktive Bergbau in Lateinamerika dargestellt. Obwohl Paradis aufgrund seines Titels eine prächtige Landschaft erwarten lässt, springt einem unmittelbar die aufgerissene und frisch bearbeitete Erde im Vordergrund des Bildes ins Auge. Es ist der Mensch, der hier aktiv in die Natur eingreift und seine Abdrücke hinterlässt. Diese Spuren sind jedoch nicht von alten Bräuchen und Romantik geprägt, sondern von schroffer, industrieller Arbeit. Gewinnorientiert wird die Natur nach Mineralien ausgebeutet und die Umwelt von vielen Lebewesen zerstört. 
Die fehlende Darstellung von Menschen in den Gemälden über den lateinamerikanischen Bergbau verstärkt das Gefühl der Gegensätzlichkeit zwischen der Art der Ausübung des Bergbaus in Lateinamerika und in Deutschland. 
 
Sensibel nähert sich die Künstlerin den Sujets Industrie und Natur und gewährt im Wechsel zwischen Deutschland und Lateinamerika Einblicke in ein unterschiedlich definiertes Berufsfeld, das einem Großteil der Gesellschaft unbekannt ist. Während in Deutschland der Bergbau ein äußerst lukrativer Beruf war, welcher durch Prämien und eigens für die Arbeiter gebaute Häuser eben diese anwarb, werden in Lateinamerika für den Abbau von Rohstoffen ganze Dörfer vertrieben. Es ist der Gegensatz mit dem Felina Wießmann hier arbeitet, der zeitliche wie auch der räumliche. Der Bergbau hat in Deutschland bereits seine Hochphase hinter sich und betreibt nur noch vereinzelt Mienen. In Lateinamerika wird er dagegen aktuell stark gefördert und lässt unweigerlich keine unpolitische Bewertung der ökonomischen Strukturen zu. Jedoch wird die Erwartung enttäuscht, eine offensichtliche Bewertung der Künstlerin zur Thematik zu finden. Es werden weder Arbeiter noch Arbeitsbedingungen dargestellt. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine subtile Evaluation, die durch die Gegenüberstellung von Romantisierung und Naturzerstörung zustande kommt. 
 
von Laura Gerstmann – Kunsthistorikerin, Dresden

FELINA WIEßMANN

Der Ausgangspunkt von Felina Wießmanns Arbeiten sind ihre kleinformatigen Zeichnungen, aus denen sich ihre spätere Malerei entwickelt. Dabei wird das Bild nach und nach aufgebaut und kann durch mehrere, kombinierte Zeichnungen entstehen. Leinwand und Papier finden vorrangig als Medium Verwendung, aber auch andere Materialien oder Oberflächen, wie z.B. Holz und Luftpolsterfolie.

Die Bilder stellen Figurenkonstellationen, Gemütszust.nde, sozialgesellschaftliche Begegnungen, Zwischenmenschlichkeiten und Behauptungen dar. Im Vordergrund steht hierbei immer die Doppeldeutigkeit der Darstellung. Aus den Vorstudien/Zeichnungen werden Begegnungen kombiniert, die so nie hätten stattfinden können. Beziehungskonstellationen werden dabei verstärkt oder aufgehoben. Der Fokus liegt weniger beim gegenständlichen Abbilden des zentralen Motivs, als vielmehr bei der Dekonstruktion figürlicher Malerei, wie beispielsweise die Unkenntlichmachung der Gesichtszüge, das Andeuten der Augen oder die gerade verschwindende Silhouette eines Menschens. Dabei wird das Dargestellte oft bis auf die Umrisslinien abstrahiert.

von Laura Gerstmann – Kunsthistorikerin, Dresden

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