ANNE-CATHRIN BRENNER
* 1989 in Bonn

02/2016 – 06/2016
Studium der Bilden Kunst, AVU Prag (Fachklasse Prof. Michael Rittstein)

seit 2014
Fachklasse von Prof. Ralf Kerbach an der HfBK Dresden

seit 2012
Studium der Bildende Künste an der HfBK Dresden (Grundstudium bei Prof. Macketanz)

 

Ausstellungen (Auswahl)

2019
Mein Sehen bleibt physisch folgenlos || ALTANA Galerie | Dresden

2018
dududuSieSieSie || Galerie FLOX | Kirschau
WOODEN WEB Czech/German Node || Czech Centre Berlin

2017
Is my world yours too? || Galerie Bueffelfish | Dresden
Kalter Osten || 6. Künstlermesse Dresden
Metamorphosis. The Human Stories || Ocean City Contemporary Art Center | Ocean City, New Jersey  (US)

2016
Künstlerische Leibniz-Reflexe || Institut für Polymerforschung, Dresden
Art Ahr 2016 || Sinzig
Elate Memories || Con-Temporary Art Observatiorium | Villa Grimaldi, Parco del Cotonificio, Lavagna (ITA)
Kunstlotterie 2016 || EX14 – Raum für zeitgenössische Kunst | Dresden
Hopscotch || studio exhibition | Dresden Academy of Fine Arts
Künstlerische Leibniz-Reflexe || Berlin-Brandenburgische Akademie derWissenschaften | Berlin

ANNE-CATHRIN BRENNER

Anne-Cathrin Brenner gewährt dem Betrachter einen fast schon intimen Einblick in ihre Perspektive. Sie erzählt Geschichten in Momentaufnahmen, ohne aber moralische Wertungen abzugeben. Selbsterkenntnis und Selbstreflektion bestimmen dabei die Bildinhalte. Der eigene Erkenntnisprozess, der bisher von Philosophen wie Leibniz geprägt war, wird mehr und mehr von Ansätzen der andinen Philosophie begleitet – aus dem Individuum wird ein kollektives Subjekt.

Anders als bei der abendländischen Philosophie stehen bei der sich in den Anden entwickelten Denktradition die Beziehung zueinander und zu den uns umgebenden Dingen im Fokus. Es sind die gemeinsam erlebten Erfahrungen, die verbinden. Alles steht mit jedem in Beziehung, Tag und Nacht, männlich und weiblich, Geburt und Tod sind notwendige Komplemente, keine Gegensätze. Verbindende Achsen zwischen diesen Polaritäten geben Raum für das Existierende in andiner Welt und Kosmos.

Genau diese Beziehungen sind es, die uns Anne-Cathrin Brenner in ihren Werken offenbart.

Über die Raumkonzeption verschränkt sie Figuren mit Symbolen, lässt Vorder- und Hintergrund einen Kosmos aufspannen, in dem es Zusammenhänge zu finden gilt. In dem Werk Menschenmüsli werden wir mit einer Figur konfrontiert, die eine Schale mit zahlreichen Köpfen bzw. Menschen im Arm festhält und auf einer Tischplatte an sich zieht. Eine Schale, in der sich ein Konglomerat aus Erfahrungen befindet. Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen, welche die Künstlerin bei der Frage nach der eigenen Identität begleiten. Ein Mensch ist er*sie nur dann, wenn er sich mit anderen in Beziehung setzt.

In ihrer Malerei ist es der direkte Dialog mit dem Werk, der für die Künstlerin so spannend ist – Vorstudien gibt es fast nie. Dabei steht das Thema fest, die Idee ist da, nur die Umsetzung selbst entwickelt sich aus dem Bild heraus. Das Element der Skizze kann Anne-Cathrin Brenner dennoch nicht ganz ausklammern. Die Zeichnung ist ein ebenso bewusster Bestandteil ihrer Malerei wie das Experiment mit Pigmenten und Lasuren. Dabei sind es so häufig die Hände, die sich geradezu schemenhaft jeder Ausformulierung verweigern.

Neben der Malerei ist es die Silberstiftzeichnung, in der die Künstlerin ihren Ausdruck findet. Feine Linien erfordern vollkommene Konzentration, Präzision. Auf einer Grundierung aus Pigmenten, Eigelb und Leim „oxidieren“ zarte graue Linien zu einem Braunschwarz, Flächen entstehen durch Schraffur, Fehler bleiben stehen – die Suche nach dem Selbst nimmt intimere Formen an. Auf dem Blatt Ein Jaguar im Karneval begegnen dem Betrachter drei Figuren. Nicht nur der Titel, sondern auch die bewusste Verschränkung der Bildinhalte identifizieren den Jaguar, den Räuber und chthonisches Wesen, als Protagonisten. Aus dem weit aufgerissen Maul schaut ein menschliches Gesicht auf einen weiblichen Zentauren, den er vorsichtig in der Handfläche balanciert. Mit Neugier wird das Wesen, halb Mensch, halb Pferd, betrachtet, während sich eine größere maskierte Figur aus dem Jaguar zu lösen scheint und Richtung rechten Bildrand tendiert. Der Dualismus unseres  Protagonisten zeigt sich in allen Formen. Das Fabelwesen in der Handfläche vereint die animalische Seite des Menschen mit der beherrschenden Natur des Reiters. Gleichzeitig wird die Wildheit des Zentauren aufgrund seiner Größe negiert. Die Figur mit Maske und Zepter ist hingegen vollkommen in einer Rolle, verkörpert ein anderes groteskes Wesen, verbirgt das eigene Ich, will weiterziehen. Gänzlich im Moment gefangen ist der Mensch im Jaguarkostüm, die Polarität der menschlichen Doppelnatur faszinierend betrachtend, sich vielleicht findend.

Auf ihrer Suche nach dem Selbst lässt Anne-Cathrin Brenner uns teilhaben, öffnet eine narrative Welt, zwingt den Betrachter zum Innehalten und fordert die Auseinandersetzung ein. 

von Maren Marzilger – Kunsthistorikerin, Dresden

 

ANNE-CATHRIN BRENNER

In ihren meist großformatigen Malereien zeigt uns Anne-Cathrin Brenner eine Welt der Selbsterkenntnis und Selbstreflektion. Kindheitserinnerungen werden mit eigenen Beobachtungen konfrontiert, Gedanken fließen direkt auf die Leinwand. Immer scheint nur das Nötigste abgebildet: einzelne Figuren finden sich vor diffusen Farbflächen, konkrete Räume erschließen sich selten. Und dennoch findet sich eine gewisse Narration in ihren Werken, die den Betrachter zum Innehalten zwingt und die Auseinandersetzung einfordert.

Es ist der direkte Dialog mit dem Werk, der für die Künstlerin so spannend ist – Vorstudien gibt es fast nie. Dabei steht das Thema fest, die Idee ist da, nur die Umsetzung selbst entwickelt sich aus dem Bild heraus. Das Element der Skizze kann Anne-Cathrin Brenner dennoch nicht ganz ausklammern. Die Zeichnung ist ein ebenso bewusster Bestandteil ihrer Malerei wie das Experiment mit Pigmenten und Lasuren. Dabei sind es so häufig die Hände, die sich geradezu schemenhaft jeder Ausformulierung verweigern. 

Der eigene Erkenntnisprozess, der bisher von Philosophen wie Leibniz geprägt war, zeigt sich in den verschiedenen Werkgruppen. Aber auch neue Ansätze finden ihren Weg in die Bildwelt der Künstlerin: Die Andine Philosophie, in der weniger Symbol und Individualismus im Fokus stehen, sondern vielmehr Metamorphose, Transformation und das Spiegeln im Gegenüber die Selbstreflektion leiten. 

Anne-Cathrin Brenner gewährt dem Betrachter einen fast schon intimen Einblick in ihre Perspektive, sie erzählt Geschichten in Momentaufnahmen, ohne aber moralische Wertungen abzugeben. Titel finden das Werk, sind essentieller Bestandteil und überraschen den Betrachter nicht selten, wenn sie den ersten Bildeindruck revidieren. 

von Maren Marzilger – Kunsthistorikerin, Dresden

Scroll Up